Rosmarinöl selber machen ist eines der einfachsten Dinge, die du in einer Küche tun kannst, und eines der nützlichsten. Ein Glas davon neben dem Herd, und Ofenkartoffeln, Focaccia, gegrilltes Gemüse und ein Teller weiße Bohnen schmecken nach mehr Aufwand, als du hattest. Dieser Artikel ist ein Küchenartikel: Es geht um Rosmarinöl zum Kochen und Würzen, nicht um Kosmetik.
Du brauchst Rosmarin, ein gutes Öl, sanfte Hitze und etwas Geduld. Und eine Regel für die Aufbewahrung, die wir weiter unten klar sagen.
Frisch oder getrocknet?
Beides geht, mit einem Unterschied, der zählt.
Frischer Rosmarin schmeckt grüner, harziger, lebendiger. Er bringt aber Wasser ins Öl, und Wasser im Öl macht es kurzlebig.
Getrockneter Rosmarin schmeckt etwas wärmer und runder und bringt kaum Wasser mit. Für Öl, das ein paar Tage im Kühlschrank stehen soll, ist er die bessere Wahl.
Unser Rat: Trockne frischen Rosmarin selbst. Zweige an einem luftigen, schattigen Ort aufhängen, bis die Nadeln rascheln und brechen. Oder bei niedriger Temperatur im Ofen trocknen, mit leicht geöffneter Tür. So bekommst du den Geschmack von frischem Rosmarin ohne das Wasser.
Welches Öl?
| Öl | Geschmack | Wofür |
|---|---|---|
| Natives Olivenöl extra | fruchtig, leicht bitter | zum Beträufeln, Brot, Bohnen, Tomaten |
| Mildes Olivenöl | rund, dezent | Allrounder |
| Sonnenblumenöl oder Rapsöl | neutral | wenn nur der Rosmarin schmecken soll |
Für den Anfang: ein mildes Olivenöl. Ein sehr kräftiges natives Olivenöl kann den Rosmarin übertönen.
Rosmarinöl selber machen: das Grundrezept auf dem Herd
Für etwa 250 ml.
Zutaten
- 250 ml Olivenöl
- 4 bis 5 Zweige getrockneter Rosmarin, oder etwa 10 g getrocknete Nadeln
- Optional: 1 Streifen Zitronenschale, 5 schwarze Pfefferkörner
So geht es
- Rosmarin leicht zwischen den Fingern quetschen, damit er Aroma abgibt.
- Öl und Rosmarin in einen kleinen Topf geben.
- Auf kleinster Stufe erwärmen. Das Öl soll warm sein, nicht braten. Kleine Bläschen am Rosmarin sind zu viel. Mit einem Küchenthermometer: um 80 bis 100 °C.
- 30 bis 60 Minuten ziehen lassen, ab und zu prüfen, dass nichts brät.
- Vom Herd nehmen, abkühlen lassen.
- Durch ein feines Sieb oder ein Tuch in eine saubere, trockene Flasche abseihen.
- Sofort in den Kühlschrank.
Das Schwierige ist Schritt 3. Auf einem normalen Herd schwankt die Temperatur, und wenn du kurz weggehst, brät der Rosmarin und das Öl wird bitter.
Rosmarinöl im NOIDS Herb Lab
Wer die Hitze nicht beaufsichtigen will, nimmt ein Gerät, das sie hält. Das NOIDS Herb Lab hält 100 °C auf 1 °C genau, zwei bis drei Stunden lang, und piept, wenn es fertig ist. Das Filterset seiht ab, die Pipette dosiert.
So geht es
- 10 bis 15 g getrockneten Rosmarin ins 350-ml-Glas, unter die MAX-Markierung.
- 250 ml Olivenöl dazu.
- Hülle und Deckel aufsetzen, Glas in den Sockel drücken.
- Drehregler auf Oil: 100 °C, 120 bis 180 Minuten.
- Wenn es piept: Filterset aufsetzen, abseihen.
- Abkühlen lassen, abfüllen, in den Kühlschrank.
Längere, gleichmäßige Hitze holt mehr Geschmack aus dem Rosmarin als eine halbe Stunde auf dem Herd, ohne dass er brät. Glas und Filterset kommen danach in die Spülmaschine.
Aufbewahren: die eine Regel
Selbst gemachtes Rosmarinöl ist kein Vorrat für das Regal. Bewahre es im Kühlschrank auf und verbrauche es innerhalb weniger Tage, spätestens nach 4 Tagen. Der Grund ist das Bakterium Clostridium botulinum: Es vermehrt sich ohne Sauerstoff, also auch unter einer Ölschicht, und bildet dabei ein Gift. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät davon ab, selbst gemachte Kräuteröle im Haushalt auf Vorrat zu lagern. Erhitzen allein ändert daran nichts: Die Sporen werden laut BfR erst ab 121 °C sicher abgetötet, und das erreicht keine Küche mit Öl. Darum: kleine Mengen, frisch machen, kalt lagern, bald essen.
Im Kühlschrank wird Olivenöl trüb und dick. Das ist normal. Nimm die Flasche 15 Minuten vor dem Essen heraus, dann wird es wieder flüssig.
Wozu Rosmarinöl passt
- Ofenkartoffeln. Kartoffeln vor dem Backen damit wenden, grobes Salz drüber.
- Focaccia. In die Mulden träufeln, bevor sie in den Ofen geht, und noch einmal danach.
- Weiße Bohnen. Bohnen, Zitrone, Rosmarinöl, Pfeffer. Fertig ist eine Beilage.
- Lamm und Hähnchen. Zum Marinieren oder als letzter Löffel über das ruhende Fleisch.
- Gegrilltes Gemüse. Zucchini, Paprika, Aubergine nach dem Grillen beträufeln.
- Brot zum Tunken. Rosmarinöl, eine Prise Meersalz, etwas Balsamico in eine flache Schale.
- Kürbissuppe. Ein paar Tropfen obenauf, kurz bevor sie auf den Tisch kommt.
Varianten
Rosmarin und Zitrone. Ein Streifen Schale von einer unbehandelten Zitrone mit in den Ansatz. Nur die gelbe Schale, das Weiße ist bitter.
Rosmarin und Chili. Eine getrocknete Chili mitziehen lassen. Für Pizza und Pasta.
Rosmarin und Knoblauch. Mit frischem Knoblauch gilt die Kühlschrankregel oben besonders streng. Mehr dazu in unserem Artikel zum Knoblauchöl.
Mediterrane Mischung. Rosmarin, Thymian und Oregano, alles getrocknet, zu gleichen Teilen.
Typische Fehler
- Zu heiß. Bläschen und braune Nadeln heißen: Das Öl brät. Es schmeckt danach bitter. Neu anfangen.
- Nass. Frisch gewaschener Rosmarin, nicht getrocknet, bringt Wasser ins Öl.
- Zweige in der Flasche. Sieht schön aus, aber ein Zweig, der im Öl bleibt, macht die Sache nicht sicherer. Abseihen.
- Zu viel auf einmal. 250 ml reichen für ein paar Tage. Lieber öfter eine kleine Menge.
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Rosmarin trocknen, Schritt für Schritt
Wer einen Rosmarinstrauch im Garten oder auf dem Balkon hat, hat mehr, als er frisch verbrauchen kann. Getrocknet wird daraus der Vorrat für das Öl.
- Ernten. Am besten an einem trockenen Vormittag, wenn der Tau weg ist. Ganze Zweige schneiden, etwa 15 cm lang.
- Nicht waschen, wenn es sich vermeiden lässt. Lieber ausschütteln. Wenn doch, gründlich trocken tupfen.
- Bündeln. 5 bis 8 Zweige mit Küchengarn zusammenbinden.
- Aufhängen. Kopfüber, an einem luftigen, schattigen Ort. Sonne bleicht und nimmt Aroma.
- Warten. Etwa zwei Wochen, bis die Nadeln beim Reiben rascheln und brechen.
- Abstreifen. Nadeln von den Zweigen streifen und in ein luftdichtes Glas füllen, dunkel lagern.
Schneller geht es im Ofen: Zweige auf ein Blech, niedrigste Stufe, Tür einen Spalt offen, bis die Nadeln trocken sind. Bleib in der Nähe, damit nichts röstet.
Mengen auf einen Blick
| Öl | Getrockneter Rosmarin | Zeit auf dem Herd | Zeit im Herb Lab |
|---|---|---|---|
| 100 ml | 4 bis 6 g | 30 bis 45 Min. | 120 Min. |
| 250 ml | 10 bis 15 g | 30 bis 60 Min. | 120 bis 180 Min. |
Mehr Rosmarin macht das Öl kräftiger, nicht besser. Bei sehr viel Rosmarin wird es harzig und leicht bitter.
Rosmarinöl als Teil einer Küche
Ein Glas Rosmarinöl im Kühlschrank verändert, wie du kochst. Statt Öl, Knoblauch und Kräuter einzeln in die Pfanne zu geben, nimmst du einen Löffel aus dem Glas. Statt einer Marinade mit fünf Zutaten reicht Rosmarinöl, Zitrone und Salz. Das spart nicht viel Zeit an einem Abend, aber jeden Abend ein bisschen.
Wer gern vorbereitet, macht am Wochenende zwei kleine Gläser: Rosmarin pur und Rosmarin mit Zitrone. Das eine für Kartoffeln und Fleisch, das andere für Fisch und Gemüse. Beide werden in derselben Woche verbraucht.
Häufige Fragen
Kann ich frischen Rosmarin für Rosmarinöl nehmen?
Ja, für Öl, das du sofort verbrauchst. Für ein paar Tage im Kühlschrank trockne den Rosmarin vorher, weil frische Nadeln Wasser ins Öl bringen.
Kalt ansetzen oder warm?
Warm. Kalt angesetztes Öl braucht Wochen bei Raumtemperatur, und genau davon rät das BfR bei selbst gemachten Kräuterölen ab.
Warum wird mein Rosmarinöl im Kühlschrank fest?
Olivenöl wird bei Kühlschranktemperatur trüb und dick. Nach 15 Minuten bei Raumtemperatur wird es wieder flüssig.
Wie viel Rosmarin auf 250 ml Öl?
Etwa 10 bis 15 g getrocknete Nadeln, oder 4 bis 5 getrocknete Zweige.
Geht Rosmarinöl auch mit Sonnenblumenöl?
Ja. Neutrales Öl lässt den Rosmarin deutlicher schmecken als ein kräftiges Olivenöl.