Kräuteröl selber machen heißt: Geschmack aus einem Kraut holen und in ein Öl bringen, wo er auf dich wartet. Ein Löffel Thymianöl über Ofengemüse, ein paar Tropfen Basilikumöl auf Tomaten, Chiliöl auf Pizza. Kein Hacken, kein Mörser, kein Suchen im Gewürzschrank. Der Geschmack ist schon da.
Die Methode ist für alle Kräuter dieselbe: sanfte Hitze, Zeit, abseihen, kalt stellen. Hier steht sie einmal ausführlich. Danach fünf Rezepte, die wir in unserer eigenen Küche immer wieder machen.
Kräuteröl selber machen: die Grundmethode
Das Verhältnis. Auf 250 ml Öl etwa 10 bis 15 g getrocknete Kräuter. Mit frischen Kräutern etwa die dreifache Menge.
Die Temperatur. Warm, nicht heiß. Das Öl soll das Kraut ausziehen, nicht braten. Um 80 bis 100 °C. Kleine Bläschen am Kraut oder ein Zischen heißen: zu heiß.
Die Zeit. Auf dem Herd 30 bis 60 Minuten. Bei gleichmäßiger Hitze darf es länger sein, dann holt das Öl mehr Geschmack.
Abseihen. Durch ein feines Sieb oder ein Tuch in eine saubere, trockene Flasche. Keine Kräuter im Öl lassen.
Kalt stellen. Direkt nach dem Abkühlen in den Kühlschrank. Warum, steht weiter unten.
Auf dem Herd
- Kräuter leicht zerreiben oder quetschen, damit sie Aroma abgeben.
- Mit dem Öl in einen kleinen Topf geben.
- Auf kleinster Stufe erwärmen, mit einem Küchenthermometer prüfen.
- 30 bis 60 Minuten ziehen lassen, gelegentlich kontrollieren.
- Abkühlen lassen, abseihen, abfüllen, kalt stellen.
Im NOIDS Herb Lab
Auf dem Herd schwankt die Temperatur, und wer kurz weggeht, kommt zu gebratenen Kräutern zurück. Das NOIDS Herb Lab hält 100 °C auf 1 °C genau, zwei bis drei Stunden lang, und piept, wenn es fertig ist.
- Getrocknete Kräuter ins 350-ml-Glas, bis 30 g, unter die MAX-Markierung.
- Öl dazu.
- Hülle und Deckel aufsetzen, Glas in den Sockel drücken, Drehregler auf Oil.
- Wenn es piept: Filterset aufsetzen, abseihen.
- Abkühlen lassen, mit der Pipette oder direkt abfüllen, kalt stellen.
Glas und Filterset kommen danach in die Spülmaschine.
Welches Öl für welches Kraut?
| Öl | Geschmack | Passt zu |
|---|---|---|
| Mildes Olivenöl | rund, leicht fruchtig | Thymian, Rosmarin, Oregano |
| Natives Olivenöl extra | kräftig, leicht bitter | zum Beträufeln am Ende, weniger für den Ansatz |
| Sonnenblumenöl, Rapsöl | neutral | Basilikum, Chili, Dill, wenn das Kraut allein sprechen soll |
Fünf Rezepte
Alle Rezepte für etwa 250 ml Öl.
1. Thymian und Zitrone
- 12 g getrockneter Thymian
- 1 Streifen Schale einer unbehandelten Zitrone, nur das Gelbe
- 250 ml mildes Olivenöl
Grundmethode. Das Öl für Ofengemüse, Hähnchen, gebratenen Fisch und Linsensalat. Unser Allrounder.
2. Chiliöl
- 4 bis 6 getrocknete Chilis, grob zerbrochen
- 1 TL Paprikapulver, edelsüß, für die Farbe
- 250 ml Sonnenblumenöl
Grundmethode, aber Vorsicht mit der Hitze: Paprikapulver verbrennt schnell. Wer es schärfer will, lässt ein paar Kerne drin. Für Pizza, Pasta, Eier, Nudelsuppe.
3. Mediterrane Mischung
- 5 g getrockneter Oregano
- 5 g getrockneter Thymian
- 3 g getrockneter Rosmarin
- 250 ml mildes Olivenöl
Grundmethode. Das Öl für Brot zum Tunken, für Tomatensalat und für gegrilltes Gemüse. Mit einer Prise Salz und etwas Balsamico in einer flachen Schale ist es eine Vorspeise.
4. Salbei
- 8 g getrockneter Salbei
- 250 ml mildes Olivenöl
Grundmethode. Salbei ist kräftig, darum weniger Menge. Für Gnocchi, Kürbis, Kalbfleisch und alles, was sonst Salbeibutter bekommt.
5. Grünes Basilikumöl
Basilikum verliert getrocknet viel von seinem Charakter. Darum geht dieses Rezept anders, mit frischen Blättern.
- 50 g frische Basilikumblätter
- 200 ml neutrales Öl
- Basilikum 10 Sekunden in kochendes Wasser, dann sofort in Eiswasser.
- Sehr gut ausdrücken und trocken tupfen.
- Mit dem Öl im Mixer 1 Minute fein mixen.
- Durch ein Tuch abtropfen lassen, ohne zu drücken.
Das Ergebnis ist leuchtend grün und schmeckt wie frisches Basilikum. Für Tomaten, Burrata, Suppe, Pasta. Weil hier frische Blätter drin waren, gilt die Regel unten besonders streng.
Kräuteröl aufbewahren: eine Regel
Bewahre selbst gemachtes Kräuteröl im Kühlschrank auf und verbrauche es innerhalb weniger Tage, spätestens nach 4 Tagen. Der Grund heißt Clostridium botulinum: Das Bakterium vermehrt sich ohne Sauerstoff, also auch unter Öl, und bildet ein Gift. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät davon ab, selbst gemachte Kräuteröle im Haushalt auf Vorrat zu lagern. Erhitzen ändert daran nichts, denn die Sporen sterben laut BfR erst ab 121 °C. Also: lieber kleine Mengen, öfter.
Olivenöl wird im Kühlschrank trüb und dick. Das ist normal. 15 Minuten bei Raumtemperatur, dann wird es wieder flüssig.
Frisch oder getrocknet?
| Frische Kräuter | Getrocknete Kräuter | |
|---|---|---|
| Geschmack | grün, lebendig | wärmer, runder |
| Wasser im Öl | ja | kaum |
| Menge pro 250 ml | etwa dreifach | 10 bis 15 g |
| Am besten für | Basilikumöl, sofort essen | Thymian, Oregano, Rosmarin, Salbei, Chili |
Unser Rat: Harte Kräuter wie Thymian, Rosmarin, Oregano und Salbei selbst trocknen. Zweige an einem luftigen, schattigen Ort aufhängen, bis sie rascheln. So hast du den Geschmack des Sommers ohne das Wasser.
Typische Fehler
- Zu heiß. Braune Kräuter, bitteres Öl. Neu anfangen.
- Nasse Kräuter. Wasser im Öl macht es trüb und kurzlebig.
- Kräuter in der Flasche. Hübsch, aber nicht sicherer. Abseihen.
- Zu große Mengen. 250 ml reichen für ein paar Tage.
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Kräuter selbst trocknen
Für vier der fünf Rezepte oben nimmst du getrocknete Kräuter. Selbst getrocknet schmecken sie meist kräftiger als aus dem Tütchen, weil sie frischer sind.
- Ernten, wenn die Pflanze trocken ist, am besten vormittags nach dem Tau.
- Ausschütteln statt waschen. Wenn waschen, dann gründlich trocken tupfen.
- Bündeln und kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort aufhängen. Sonne nimmt Farbe und Aroma.
- Prüfen. Fertig sind die Kräuter, wenn die Blätter beim Reiben rascheln und zerbröseln. Bei Thymian und Oregano dauert das oft ein bis zwei Wochen, bei Salbei mit seinen dickeren Blättern länger.
- Abstreifen und abfüllen. Blätter von den Stielen streifen, in ein luftdichtes Glas, dunkel lagern.
Kräuteröl verschenken? Lieber die Mischung
Eine hübsche Flasche Kräuteröl mit einem Zweig darin ist ein beliebtes Geschenk. Wegen der Regel oben ist sie aber kein gutes. Niemand weiß, wie lange die Flasche beim Beschenkten im Regal steht.
Verschenk stattdessen die trockene Mischung: getrockneter Thymian, Oregano und Rosmarin in einem schönen, luftdichten Glas, dazu eine Karte mit dem Rezept. So macht der Beschenkte sein Öl frisch, dann wenn er es braucht. Das Glas hält länger als jede Flasche Öl, und die Mischung bleibt trocken und sicher.
Kräuteröl auf dem Teller: Ideen für die Woche
- Montag: Ofengemüse mit Thymian-Zitronen-Öl.
- Dienstag: Spaghetti mit Chiliöl, Knoblauch und Petersilie.
- Mittwoch: Tomatensalat mit Basilikumöl und grobem Salz.
- Donnerstag: Gnocchi in der Pfanne mit Salbeiöl, dazu Parmesan.
- Freitag: Brot zum Tunken mit der mediterranen Mischung, ein Glas Wein.
Fünf Abende, fünf Öle, und keins davon steht länger als ein paar Tage im Kühlschrank. Mehr braucht ein Kräuteröl nicht zu können.
Häufige Fragen
Welche Kräuter eignen sich für Kräuteröl?
Harte Kräuter wie Thymian, Rosmarin, Oregano und Salbei, am besten getrocknet. Weiche Kräuter wie Basilikum frisch, nach der Methode im fünften Rezept.
Kann ich Kräuteröl kalt ansetzen?
Kalt angesetztes Öl braucht Wochen bei Raumtemperatur, und davon rät das BfR bei selbst gemachten Kräuterölen ab. Wir setzen warm an.
Wie viel Kräuter auf 250 ml Öl?
10 bis 15 g getrocknete Kräuter, bei sehr kräftigen wie Salbei etwas weniger.
Kann ich Kräuteröl einfrieren?
Ja, portionsweise in einer Eiswürfelform. So hast du kleine Mengen bereit, ohne einen Vorrat im Kühlschrank.
Warum wird mein Kräuteröl bitter?
Meist war es zu heiß und die Kräuter haben gebraten. Halte die Temperatur bei höchstens 100 °C.